Villa Rosenau

Zu dieser Zeit bildet sich in der Villa Rosenau in Basel ein neues, politisches Wohnkollektiv. Aus diesem Anlass wenden wir, die Bewohner des besagten schönen, besetzten Hauses, uns an die interessierte Öffentlichkeit, um ihr unsere Anliegen, Utopien und kritischen Gedanken um den Kopf zu schlagen.

Zuerst das unangenehme, die Kritik…


Der Staat

Väterchen Staat ist nicht unser Freund. Er ist anonymisiertes, gut ausgerüstetes Gewaltpotenzial mit dem Hang, freiheitsliebenden Menschen ihre Steckenpferdchen wegzunehmen. Er ist institutionalisierte Macht, er ist Herrschaft. Und als solche schränkt er jeden von uns in unserem freien, solidarischen Ausleben unserer Bedürfnisse ein. Und als ob das nicht schon genug wäre, hat er sich noch einen grossen Bruder, die kapitalistische Wirtschaft angelächelt…


Kapitalismus

Was dem Staatsmann, der Staatsfrau der Staat ist, ist dem Liberalen die „unsichtbare Hand des Marktes“. Sie regelt alles… und nichts… Sorgt also dafür, dass alles rund läuft und ist dann doch nicht schuld, wenns mal schief geht.
Noch der letzte Ecken unserer Welt wird liberalisiert, kommerzialisiert und auf Wettbewerb getrimmt. So versinken wir im Chaos dreckigsten, kapitalistischen Denkens und reihen uns, oft unbewusst, ein in die grosse Schlacht um den Profit.
Und unser Denken und Handeln, unser Sich-Ausdrücken schaltet sich gleich in einer massenkonformen, marktorientierten Kultur.


Die Auswüchse der Kultur

Kultur ist nicht nur Theater, Kino oder Konzerte. Sie umfasst auch die Art, wie wir zusammen leben, unseren Umgang mit Mensch und Tier. Unter den Vorzeichen eines kontrollwahnsinnigen Staates und einer profitorientierten Wirtschaftens wandelt sie sich zu einem brainfuckenden Ungeheuer, das alle unsere Lebensbereiche vereinnahmt. Freies, unkommerzielles Kulturschaffen und ein solidarisches Zusammenleben sind nicht mehr möglich. Mensch muss zahlen für Filme, Konzerte, nette Gesellschaft und sogar Liebe.
Patriarchat, Sexismus, Homophobie und Rassismus, man nehme sie doch bitte für selbstverständlich in dieser schönen, neuen Welt.

So gehen sie Hand in Hand, das Kapital, der Staat und die Kultur und wandeln an den Ufern eines Ozeans menschenunwürdiger Ausbeutung. Arbeit, Wohnen, Essen, Ausgang… sie sind überall. Und das kotzt uns an.


Unser Anliegen, unsere Utopie

Das alles hat in der Villa Rosenau nichts zu suchen. Wer hier lebt, „schafft“ oder einfach nur ein- und ausgeht, soll dies in einem herrschaftsfreien Umfeld tun können.
Wir bieten (oder arbeiten noch daran) Raum für Konzerte, Theater, ein Atelier… ??? … und natürlich einen Pennraum für Gäste aus aller Welt, völlig gleich aus welchen ethnischen oder sozialen Hintergründen sie kommen.

Wir verstehen uns aber nicht nur als eine kleine Insel im kommerzialisierten Meer. Wir sind Teil dieser Gesellschaft und haben den Anspruch, diese zu verändern. Wir mögen uns hier frei fühlen, frei von staatlicher Repression und kapitalistischer Ausbeutung. Aber schon mit einem Blick vom Balkon holt uns die Realität ein.
Das heisst für uns, dass die Villa Rosenau auch Raum bietet für politische Projekte, die über den Erhalt dieses kleinen Freiraumes hinausgehen, um ein Bewusstsein zu schaffen, dass ein anderes, emanzipiertes Leben möglich ist. Wir rufen daher auch andere, antikapitalistische und staatsfeindliche Menschen und Gruppen auf, diesen Raum für ihre/unsere Politik zu nutzen. Wir werden es sowieso tun.